Jeder Fotograf kennt die Situation: Das Motiv sieht mit bloßem Auge beeindruckend aus, doch das Foto wird zu dunkel, unscharf, verwackelt oder voller Bildrauschen. Gerade bei Nacht stoßen die Automatikeinstellungen vieler Kameras schnell an ihre Grenzen.
Die gute Nachricht: Für gute Nachtaufnahmen braucht es keine teure Spezialausrüstung. Wer die wichtigsten Einstellungen versteht, kann bereits mit einer Einsteigerkamera beeindruckende Bilder aufnehmen. Welche Rolle Blende, Belichtungszeit und ISO dabei spielen und welche Einstellungen sich für typische Nachtmotive eignen, wird in diesem Beitrag erklärt.
Warum Nachtfotografie anders ist
Tagsüber steht meist ausreichend Licht zur Verfügung. Nachts fehlt dieses Licht. Die Kamera muss deshalb länger Licht sammeln oder die Empfindlichkeit des Sensors erhöhen.
Vereinfacht gesagt haben Fotografen drei Möglichkeiten:
- Die Blende weiter öffnen.
- Die Belichtungszeit verlängern.
- Den ISO-Wert erhöhen.
Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt vom Motiv ab.
Die richtige Blende wählen
Die Blende bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht gelangt in die Kamera.
Beispiele:
- f/1.8 = sehr viel Licht
- f/2.8 = viel Licht
- f/8 = deutlich weniger Licht
- f/11 = wenig Licht
Wer Menschen bei Nacht fotografiert, sollte möglichst offene Blenden nutzen. Dadurch gelangt mehr Licht auf den Sensor und kürzere Belichtungszeiten werden möglich.
Für Stadtansichten oder Architektur sind dagegen Blenden zwischen f/8 und f/11 oft sinnvoll. Sie sorgen für eine größere Schärfentiefe.
Die Belichtungszeit verstehen
Die Belichtungszeit entscheidet darüber, wie lange Licht auf den Sensor trifft. Kurze Belichtungszeiten frieren Bewegungen ein. Lange Belichtungszeiten machen das Bild heller, können aber Bewegungen sichtbar werden lassen.
Typische Beispiele:
- 1/500 Sekunde: Schnelle Bewegungen
- 1/125 Sekunde: Personen aus der Hand fotografieren
- 1/30 Sekunde: ruhige Motive
- 5 Sekunden: Nachtaufnahmen mit Stativ
- 30 Sekunden: Lichtspuren von Autos
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Belichtungszeit zu lang zu wählen und die Kamera aus der Hand zu halten. Das Ergebnis sind verwackelte Bilder.
ISO: Das notwendige Übel
Der ISO-Wert bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher der ISO-Wert, desto heller wird das Bild. Gleichzeitig steigt jedoch das Bildrauschen.
Typische Werte:
- ISO 100 bis 200: beste Bildqualität
- ISO 400 bis 800: meist problemlos
- ISO 1600 bis 3200: sichtbares Rauschen möglich
- ISO 6400 und höher: abhängig von Kamera und Sensor
Viele Einsteiger erhöhen nachts sofort den ISO-Wert auf extreme Werte. Besser ist oft die Nutzung eines Stativs, damit niedrigere ISO-Werte verwendet werden können.
Nachtfotografie in der Stadt
Städte bieten nachts ideale Motive. Straßenlaternen, beleuchtete Gebäude und Autos sorgen für interessante Lichtquellen.
Empfohlene Einstellungen:
- Stativ verwenden
- ISO 100 bis 400
- Blende f/8 bis f/11
- Belichtungszeit 2 bis 20 Sekunden
Dadurch entstehen scharfe Bilder mit vielen Details und geringem Bildrauschen.
Lichtspuren von Autos fotografieren
Die berühmten Lichtstreifen von Autos entstehen durch lange Belichtungszeiten.
Empfohlene Einstellungen:
- Stativ
- ISO 100
- Blende f/8 bis f/11
- Belichtungszeit 10 bis 30 Sekunden
Je länger die Belichtungszeit, desto länger werden die Lichtspuren. Brücken oder erhöhte Standorte eignen sich besonders gut für solche Aufnahmen.
Menschen bei Nacht fotografieren
Menschen bewegen sich. Deshalb funktionieren extrem lange Belichtungszeiten hier meist nicht.
Empfohlene Einstellungen:
- Lichtstarkes Objektiv
- Blende f/1.8 bis f/2.8
- Belichtungszeit 1/125 Sekunde
- ISO nach Bedarf erhöhen
Gerade auf Weihnachtsmärkten, Stadtfesten oder Konzerten ist diese Kombination oft sinnvoll.
Feuerwerk fotografieren
Feuerwerk gehört zu den beliebtesten Nachtmotiven.
Empfohlene Einstellungen:
- Stativ
- ISO 100
- Blende f/8 bis f/11
- Belichtungszeit 2 bis 6 Sekunden
- Manueller Fokus
Viele Fotografen machen den Fehler, den Autofokus zu verwenden. Dieser findet im Dunkeln oft keinen zuverlässigen Schärfepunkt.
Die richtige Fokussierung
Autofokus-Systeme stoßen bei Dunkelheit schnell an ihre Grenzen.
Deshalb lohnt es sich häufig einen hellen Punkt anzufokussieren und den Fokus anschließend zu speichern/sperren. Alternativ kann auch direkt manuell fokussiert werden.
RAW statt JPEG
Wer nachts fotografiert, sollte möglichst im RAW-Format fotografieren. Dadurch lassen sich später unteranderem Helligkeit korrigieren, Schatten aufhellen, Farbstiche entfernen und Bildrauschen reduzieren. Viele Nachtaufnahmen wirken erst nach einer Bearbeitung am Computer wirklich überzeugend.
Die wichtigste Ausrüstung für Nachtfotografie
- Kamera mit manuellem Modus
- Stativ
- Fernauslöser oder Selbstauslöser
- Lichtstarkes Objektiv