Immer wieder ist zu lesen, dass Künstliche Intelligenz den Stockphoto-Markt auslöschen werde. KI-Bildgeneratoren wie der in ChatGPT oder Programme wie Midjourney und DALL·E könnten, so heißt es, jedes gewünschte Motiv binnen Sekunden erzeugen. Und das ganz ohne Modelhonorar, ohne aufwändige Produktion, ohne Rechteklärung. Doch die Realität ist komplexer.
KI statt Symbolbild? So verändert Künstliche Intelligenz den Bildermarkt
Für diesen Beitrag haben wir insgesamt 100 Webseiten aus Deutschland untersucht. Darunter Kanzleien, Bildungseinrichtungen, Vereine, Handwerksbetriebe und lokale Dienstleister. Etwa ein Drittel dieser Seiten nutzt inzwischen KI-generierte Illustrationen. Doch alle hatten schon zuvor kostenlose Symbolfotos verwendet, meist von Plattformen wie Unsplash oder Pixabay. Gekaufte Bilder von professionellen Agenturen wie Picture Alliance, Getty Images oder Imago Images fanden sich in keinem einzigen Fall.
Diese Beobachtung passt zu den Marktdaten. Laut einer Analyse von Allied Market Research lag der weltweite Markt für Stockfotos 2022 bei rund 6,4 Milliarden US-Dollar und soll bis 2032 auf 12,2 Milliarden US-Dollar wachsen. Auch in Europa wird weiteres Wachstum erwartet. Für Deutschland liegt der Marktwert derzeit bei etwa 200 Millionen US-Dollar. Der Gesamttrend zeigt also kein Einbrechen, sondern eine Verschiebung der Nutzung: Im unteren, kostenlosen Segment übernehmen KI-Bilder die Rolle früherer Gratisfotos, während der professionelle Bereich stabil bleibt.
Kostenlose Symbolfotos werden durch KI ersetzt – nicht durchgekaufte Profibilder
Trotzdem ist spürbar, dass sich der Markt verändert. Große Anbieter wie Getty Images und Shutterstock verzeichnen leichte Rückgänge im traditionellen Stockgeschäft, bei Getty etwa rund fünf Prozent im vergangenen Jahr. Beide investieren inzwischen selbst in KI-Technologien, um rechtssichere, lizensierte KI-Inhalte anbieten zu können.
Doch dass große Medienhäuser künftig nur noch KI-generierte Bilder einsetzen, ist äußerst unwahrscheinlich. Der Grund liegt in den journalistischen Sorgfaltspflichten. Der Pressekodex des Deutschen Presserats schreibt vor, dass manipulierte oder nachträglich veränderte Bilder nur veröffentlicht werden dürfen, wenn dies erkennbar gemacht wird. Ein KI-generiertes Foto zeigt immer etwas, das nie stattgefunden hat. Wird es als echt dargestellt, wäre das ein klarer Verstoß gegen die Pflicht zur Wahrhaftigkeit.
Warum Medienhäuser auf echte Fotos angewiesen bleiben
Ein Beispiel: Wenn ein Wirtschaftsmagazin ein KI-Bild eines Vorstandsvorsitzenden in einer Fabrikhalle veröffentlicht, obwohl dieser dort nie war, erzeugt das einen falschen Eindruck. Das wäre journalistisch unzulässig und könnte sogar rechtliche Folgen haben.
Dazu kommen ethische Fragen. KI-Systeme erzeugen Gesichter und Körper, die oft echten Menschen ähneln, ohne deren Einwilligung. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnte vor der unkritischen Nutzung von KI-Bildern in redaktionellen Beiträgen. Auch der Bundesverband professioneller Bildanbieter (BVPA) betont, dass KI-generierte Motive nicht die geprüften und rechtssicheren Inhalte von Agenturen ersetzen können.
Professionelle Bildagenturen garantieren Rechtssicherheit und Authentizität
Professionelle Bildagenturen liefern weit mehr als nur Fotos. Sie garantieren, dass Modelle eingewilligt haben, dass Urheberrechte geklärt sind und dass Verschlagwortungen stimmen. Das ist für Redaktionen und Unternehmen ein zentraler Punkt.
Vor allem im Nachrichtenjournalismus ist die Authentizität unantastbar. Ein Foto aus einem Krisengebiet, ein Porträt des Kanzlers oder eine Aufnahme aus dem Gerichtssaal – all das muss echt sein. KI kann solche Szenen nur erfinden, nicht bezeugen.
KI verändert die Branche – echte Fotografie bleibt unersetzlich
Die KI wird den Stockphoto-Markt verändern, aber sie wird ihn nicht auslöschen. Es ist auszugehen , dass eine Zweiteilung entsteht: Auf der einen Seite die schnelle, kostengünstige Bebilderung kleiner Websites durch KI; auf der anderen Seite die weiterhin unverzichtbare, journalistisch geprüfte Fotografie.
Denn ein Bild ist mehr als ein hübsches Motiv. Es ist ein Stück Wahrheit. Und die lässt sich nicht generieren.
